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Bayern — Wappen und Flagge des Freistaates


Die Hoheitszeichen des Freistaates Bayern vereinen über acht Jahrhunderte Geschichte in einem einzigen Bild: Das gevierte Staatswappen spiegelt die historischen Territorien wider, die das Haus Wittelsbach — Bayerns Herrscherdynastie von 1180 bis 1918 — nach und nach zusammenfügte. Die weiß-blauen Rauten, das bekannteste Symbol Bayerns, gehen auf das Erbe der Grafen von Bogen zurück, das 1242 durch Erbschaft an die Wittelsbacher fiel. Die Flagge, in zwei amtlich gleichwertigen Formen — Streifenflagge und Rautenflagge — festgelegt durch das Hoheitszeichengesetz von 1953, ist heute eines der bekanntesten Landeswappen Deutschlands.

Kurzübersicht

BundeslandFreistaat Bayern (seit 8. November 1918)
LandeshauptstadtMünchen
Staatswappen festgelegtBayerische Verfassung 1946; Gesetz über die Hoheitszeichen des Freistaates Bayern vom 5. Juni 1953
Flagge festgelegtGesetz über die Hoheitszeichen des Freistaates Bayern, 5. Juni 1953
FlaggenformenStreifenflagge (Weiß über Blau) und Rautenflagge (weiß-blau diagonal)
HerrscherhausHaus Wittelsbach (1180–1918)
WappenfarbenWeiß (Silber) und Blau
RegionSüdostdeutschland
Großes Staatswappen des Freistaates Bayern — geviertes Wappen mit Wittelsbacher Rauten, Löwe, Frankenrechen und Volkskrone

Großes Staatswappen Bayern — Geviert mit Herzschild, Volkskrone, Wittelsbacher Rauten und Frankenrechen

Wappen des Freistaates Bayern

Blasonierung

Geviert mit Herzschild. — 1. In Schwarz ein goldener, rot bewehrter und rot gekrönter Löwe (Oberpfalz). — 2. In Rot drei silberne Spitzen, überdeckt vom Frankenrechen (Roten Pfahl) (Franken). — 3. In Blau drei silberne Pfähle (Markgrafschaft Burgau). — 4. Weiß-blaue Rauten (Pfalz-Bayern/Wittelsbacher). — Herzschild: Weiß-blau gerautet (historisches Stammwappen der Wittelsbacher). — Bekrönt von einer Volkskrone.

Die vier Felder und ihre Bedeutung

  • 1. Feld — Oberpfalz: Der goldene Löwe auf schwarzem Grund entstammt dem Wappen der Pfalzgrafen bei Rhein und verweist auf die Oberpfalz, die 1329 dauerhaft mit Bayern vereinigt wurde.
  • 2. Feld — Franken: Der Frankenrechen (drei goldene Spitzen auf Rotem Pfahl) ist das historische Wappen des Hochstifts Würzburg und steht für die fränkischen Gebiete, die Bayern 1806 im Zuge der napoleonischen Neuordnung erhielt.
  • 3. Feld — Markgrafschaft Burgau: Die drei silbernen Pfähle auf Blau gehen auf die schwäbische Markgrafschaft Burgau zurück, die 1268 an die Habsburger und 1805 an Bayern fiel.
  • 4. Feld — Wittelsbacher Rauten: Das diagonal weiß-blau gerautete Feld ist das bekannteste Symbol Bayerns. Es entstammt dem Wappen der Grafen von Bogen, das 1242 durch die Heirat von Agnes von Bogen mit Herzog Otto II. von Bayern an die Wittelsbacher überging.
  • Herzschild: Zeigt das weiß-blaue Rautenmuster als historisches Stammwappen der Wittelsbacher in seiner ursprünglichen Form.
  • Volkskrone: Die das Wappen bekrönende Volkskrone (eine offene Krone ohne Bügel) wurde mit der Bayerischen Verfassung von 1946 eingeführt. Sie ersetzt die frühere Königskrone und symbolisiert die demokratische Staatsform — die Souveränität liegt beim Volk.

Geschichtliche Entwicklung

Das Haus Wittelsbach regierte Bayern ununterbrochen von 1180, als Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Herzogtum Bayern an Otto I. von Wittelsbach vergab, bis zur Abdankung König Ludwigs III. am 13. November 1918. In dieser Zeit wuchs Bayern durch Erbschaften, Heiraten und die napoleonische Neuordnung Deutschlands zur zweitgrößten Fläche unter den deutschen Ländern.

Das geltende Wappen wurde durch das Gesetz über die Hoheitszeichen des Freistaates Bayern vom 5. Juni 1953 in seiner heute verbindlichen Form festgelegt. Neben dem großen Staatswappen existiert ein kleines Staatswappen, das nur den Herzschild mit den Wittelsbacher Rauten und die Volkskrone zeigt.

Rautenflagge des Freistaates Bayern — weiß-blaues Rautenmuster der Wittelsbacher

Rautenflagge Bayern — Weiß-blaues Rautenmuster, amtlich seit dem Hoheitszeichengesetz 1953

Flagge des Freistaates Bayern

Zwei amtliche Flaggenformen

Bayern ist das einzige deutsche Bundesland mit zwei gleichrangigen offiziellen Landesflaggen, die beide durch das Hoheitszeichengesetz vom 5. Juni 1953 festgelegt wurden:

  • Streifenflagge: Zwei gleich breite waagerechte Streifen, Weiß über Blau. Die schlichtere der beiden Formen, sie entspricht den Landesfarben Weiß-Blau in ihrer einfachsten Ausprägung.
  • Rautenflagge: Das diagonal weiß-blau gerautete Muster, das üblicherweise mindestens 21 Rauten zeigt. Sie ist die volkstümlichere und bekanntere der beiden Flaggen, international das Erkennungszeichen Bayerns.

Herkunft der Weiß-Blau-Symbolik

Die Farben Weiß und Blau begleiten Bayern seit dem 13. Jahrhundert. Ihren Ursprung haben sie im Rautenmuster der Grafen von Bogen, das 1242 an die Wittelsbacher überging. Eine verbreitete Volkssage führt das Weiß-Blau auf den bayerischen Himmel und die Alpen zurück — historisch belegt ist jedoch allein die heraldische Überlieferung über das Bogener Erbe.

Im 19. Jahrhundert wurden Weiß-Blau zur offiziellen Landesfarbe des Königreichs Bayern (1806–1918) erhoben, bevor sie der Freistaat nach 1918 beibehielt.

Verwendung heute

Beide Flaggenformen werden an Behörden, Schulen und öffentlichen Gebäuden in Bayern gehisst. Die Rautenflagge ist im Alltag und auf Volksfesten — allen voran dem Oktoberfest — allgegenwärtig. Auch international gilt das Rautenmuster als unmittelbares Erkennungszeichen Bayerns, häufiger noch als das Staatswappen selbst.

Häufig gestellte Fragen

Was zeigt das Wappen von Bayern?

Das große Staatswappen ist geviert mit Herzschild und zeigt die historischen Territorien Bayerns: Oberpfalz (goldener Löwe), Franken (Frankenrechen), Markgrafschaft Burgau (silberne Pfähle) und Pfalz-Bayern (Wittelsbacher Rauten). Der Herzschild trägt das Stammwappen der Wittelsbacher. Bekrönt wird das Wappen von einer Volkskrone.

Woher stammt das Rautenmuster?

Die Rauten entstammen dem Wappen der Grafen von Bogen. Nach dem Tod des letzten Bogener Grafen fiel das Erbe 1242 durch Heirat an Herzog Otto II. von Bayern (Haus Wittelsbach). Seitdem prägen die weiß-blauen Rauten das bayerische Wappenbild.

Was ist der Unterschied zwischen Streifen- und Rautenflagge?

Die Streifenflagge zeigt zwei gleich breite waagerechte Streifen (Weiß über Blau), die Rautenflagge das diagonal weiß-blau gerautete Muster. Beide sind seit dem Hoheitszeichengesetz von 1953 amtlich gleichwertig.

Was bedeutet die Volkskrone auf dem Wappen?

Die 1946 eingeführte Volkskrone — eine offene Krone ohne Bügel — symbolisiert die demokratische Staatsform: Die Staatsgewalt geht vom Volk aus, nicht mehr von einem Monarchen.

Seit wann ist Bayern ein Freistaat?

Bayern ist seit dem 8. November 1918 ein Freistaat. An diesem Tag rief Kurt Eisner nach der Abdankung König Ludwigs III., des letzten Wittelsbacher auf dem bayerischen Thron, die Republik aus.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Gesetz über die Hoheitszeichen des Freistaates Bayern vom 5. Juni 1953 (BayRS 1114-1-I)
  • Verfassung des Freistaates Bayern vom 2. Dezember 1946, Art. 1
  • Hupp, Otto. Münchener Kalender. München, 1895–1914 — Standardwerk zur bayerischen Kommunalheraldik
  • Hattenhauer, Hans. Geschichte der deutschen Nationalsymbole. München: C. H. Beck, 1990
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv — Bestand Wittelsbacher Hausarchiv

Zuletzt geprüft durch die Redaktion von Emblema Mundi am 29. Juni 2026.

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